Ein Jahr auf dem Weg zur kollektiven Einsicht?

Menschlichkeit & Vernunft

Bewegte Zeiten, bewegte Veränderungen, bewegtes Verhalten und Denken. 2021 hat gezeigt, wie wichtig mitmenschliches Verhalten und Toleranz ist und in Zukunft sein wird. Nie dagewesene Krisen schütteln durch und zehren an Kraft, Energie und Geduld der Menschen – bei jedem auf eine andere Art und Weise. Umso wichtiger ist es, mit negativen Kräften und Energien bedacht umzugehen, und das Positive im Gesamten zu bewahren, es zu sehen und vor allem auch zu fühlen. Im Sinne der Kommunikation und dem Design, kann und wird das alles am Ende eine positive Wende nehmen. Worte und Darstellungen, gerade in solchen Zeiten, sensibel und achtsam einzusetzen und zu verbreiten, ist nicht nur eine Aufgabe für uns Designer. Es ist auch eine Aufgabe für Marken und Unternehmen und jene, die für die Verbreitung von Informationen zuständig und verantwortlich sind. 

Im Ganzen eins – Man und Kleinkind reichen sich die Hand surrealistisch

Es braucht kein Schüren und kein Hetzen, es braucht Sachlichkeit und Wahrheit, es braucht Einfühlungsvermögen und Feingefühl – Wort für Wort, Gedanke für Gedanke und Tat für Tat. Es braucht faire Entscheidungen und eine verständliche Voraussicht – und dafür braucht es keine Generäle in der Politik, sondern einen klaren Geist unserer »Experten«, keinen Neid und vor allem deutlich weniger Gier. Die Medienlandschaft, in der sich auch der Journalismus integriert, hat heute und morgen mehr Verantwortung wie eh und je. Gerade in Krisenzeiten ist eine offene, sachliche, ehrliche und feinfühlige Berichterstattung von großer Wichtigkeit, denn geteilt werden Botschaften heute blitzschnell und oft auch ohne darüber nachzudenken. Einzelne unklare und wackelige Worte können dabei direkt wie auch unterbewusst beeinflussen, wie wir 2021 nicht nur einmal erleben durften und es immer noch erleben. Presse und Medienkanäle besitzen inzwischen eine nicht zu unterschätzende Macht, und deren Einfluss lässt sich schon fast mit der Reichweite einer politischen Entscheidung gleichsetzen. Die Tragweite falscher oder schlechter Kommunikation sollten wir uns heute und morgen deshalb noch bewusster machen, gerade im Rahmen unserer Entscheidungen, die wir aufgrund dieser Informationen weiter tragen oder selbst treffen. Denn diese Entscheidungen gestalten auch unser gemeinsames Miteinander, dem wir respektvoll und mit Herz begegnen sollten.

Was Marken anziehend macht

Friede, Freude, Markenmagie: Dieser Respekt und das Herz der Zwischenmenschlichkeit, wie oben erwähnt, lässt sich heute auch auf Marken und Unternehmen übertragen. Hätten wir als Agentur schon damals im Jahre 2002 die Gedanken einer „gesunden und achtsamen Marke“ nach aussen getragen, hätte man unsere Designagentur als zu spirituell eingestuft, oder als abgehobene Spinner und Künstler. Doch absehbar war auch schon damals, dass Marken und Unternehmen eines Tages umdenken werden müssen, wenn sie in der Flut an Botschaften zu ihren Kunden oder möglichen Neukunden durchdringen möchten. Schon alleine die Gründung der Holistic Foundation durch Benjamin und Janina Lin Otto, zeigt mit dem Bau des Objektes »Life Hamburg«, dass die Zeit für ein Umdenken in diese Richtung mehr als vor der Tür steht und auch notwendig ist.

Kunstcollage, sitzende Menschen statt Köpfen mit Pflanzen.

Blick zurück: Als ich einst einmal im Juli 2008 mit dem Zirkusdirektor Bernhard Paul vom Zirkus Roncalli ein Interview in seinem Zirkuswagen führte, viel eine wichtige Aussage, die so platt ist wie auch alt: »Wer nicht wirbt, der stirbt«. Heute ist dieses Zitat ja schon fast etwas angriffslustig, je nachdem in welchem Zusammenhang man es vermittelt. Diese Antwort von Bernhard Paul kam aus dem gemeinsamen Gespräch heraus, da ich eines Morgens auf dem Weg in die Agentur bemerkte, dass unsere halbe Stadt samt der ländlichen Einzugsgebiete von heute auf morgen plakatiert war. Man wusste sofort – der Zirkus Roncalli kommt. Damit hat dieser alte Spruch seinen Zweck erfüllt. Doch das Problem dieser alten Werbesprüche, Bernhard Paul war selbst einmal Art Director, ist, dass einige Marken und Unternehmen diese Aussage in der Vergangenheit falsch verstanden haben, aber auch heute noch falsch verstehen. Viele Unternehmen haben scheinbar nicht sonderlich großartig darüber nachgedacht, was sie inhaltlich eigentlich vermitteln möchten, sondern haben draussen in der Öffentlichkeit einfach darauf los geballert was das Zeug hält. Eine schlechte Werbeflut wird sich auf Dauer nicht gegen eine kleine aber charmante Botschaft durchsetzen, hinter der sich eine grundlegende Strategie und Überlegung verbirgt, weil sie aus Überzeugung und Leidenschaft am Tun entstanden ist.

Toby O. Rink im Interview mit Bernhard Paul
Toby O. Rink im Gespräch mit Zirkusdirektor Bernhard Paul (Zirkus Roncalli)

Blicke ich zurück auf den Zirkus Roncalli, dann habe ich mir damals eines bewusst verinnerlicht. Eine anziehende Marke lebt nicht durch ein extrem großes Marketingbudget, sie lebt durch die Liebe am Tun. Als ich das Interview mit Bernhard Paul führte, saßen wir in seinem stilvollen Zirkuswagen. Ich hatte damals meine kleine Familie dabei, samt Hund und Kleinkind, da wir danach noch verabredet waren. Wir wurden herzlichst empfangen, Kind und Hund waren überhaupt kein Problem, da Bernhard Paul selbst Kinder hat, und der Zirkus ohnehin eine große Familie für ihn ist. Das Gespräch war herzlich und natürlich, und endete am Ende mit einer Einladung zum gemeinsamen Abendessen. Und damit wir einen Eindruck seiner Welt bekamen, gab er uns Tickets, weil es ihm wichtig war, dass wir den Zirkus Roncalli mit all seinen Facetten drum herum erleben sollten. Am Tag X der Veranstaltung wurde mir klar, was er damit meinte. Schon das Zelt war eine stilvolle Fassade, die zum Eintreten einlud. Es roch nach gebrannten Mandeln, ummantelt von traditioneller und freudiger Zirkusmusik. Den kleinen Kindern kullerten förmlich die Augen heraus und die Stimmung war begleitet von freundlichen und fröhlichen Gesichtern, die sich auf eine faszinierende Welt einließen, die den darum liegenden Alltag einfach ausblendete. Alles, aber auch wirklich alles strahlte Freude, Leidenschaft und Liebe aus. Nicht nur das Äußere, sondern auch das Innere. Alle Akteure, die Zirkusclowns, die Trapezkünstler oder die Zauberer erfüllten ihre Aktivität (ich nenne es bewusst nicht Beruf) mit einer beispiellosen Leidenschaft. Und genau diese »Gesamtheit« all dieser leidenschaftlichen Akteure machten die Marke Roncalli zu einem Ganzen. Wenn »Kunden«, in diesem Fall die Zuschauer, eine solche Art von Natürlichkeit und positiver Energie »erleben dürfen«, dann bleibt eine positive und innere Berührung, die sie auch lange in Erinnerung behalten.

Ein anderes Beispiel: Als Paypal eines Tages feststellte, dass sie im Rahmen ihrer Bedienoberfläche etwas tun mussten, um ihre bestehenden Nutzer zu behalten und neue zu gewinnen, überarbeiteten sie grundlegend die Art des Bankings, und machten sich aktiv heran an die Überarbeitung ihres Banking-Systems und dem damit verbundenen Look & Feel der Bedienoberfläche. Nachdem dieses System optisch wie auch funktional überarbeitet wurde, vermittelten sie am Tag X des Livegangs die Botschaft »Jetzt seid ihr dran«, und präsentierten ihren Kunden und möglichen Neukunden ein gänzlich vereinfachtes Interface und System, dass die Art der Transaktion im Zahlungsverkehr ein Stück weit revolutionierte und vor allem vereinfachte. Paypal ist heute gerade im Online-Shopping maßgeblich in Shops als Bezahlmöglichkeit zu finden und steht u.a. für ein einfaches und unkompliziertes Einkaufserlebnis.

In der Welt der Werbung werden uns heute viele Geschichten erzählt und gezeigt. Doch was bringt die beste Kampagne, wenn sie nicht wirklich, wirklich ehrlich gemeint ist. Was bringen die schönsten Worte, wenn es Werbeworte sind, aber nicht die eigenen die man gerne sagen würde, weil einem vielleicht etwas der Mut fehlt in der eigenen Branche auf unübliche Art und Weise anzuecken. Authentisch das zu leben und zu tun, außen wie innen, ist die große Kunst und auch ein Weg, der Mut und die ein oder andere Überwindung benötigt. Doch seien wir ehrlich zu uns selbst – haben wir unsere Lebensaufgabe und absolute Leidenschaft erst einmal entdeckt, dann spielen solche Gedanken der „zurückhaltenden Kommunikation“ keine Rolle mehr. Denn dann kommen Botschaften in der Tat auch von Herzen. Wirklich zu lieben was man tut, geht einher mit allen positiven Werten. Diese schreibt man im Marketing zwar gerne auf ein weisses Blatt Papier, doch wie oft oder regelmäßig prüft man diese Werte dahingehend, ob sie mit dem eigenen Werte-Gefühl noch übereinstimmen? Leidenschaft und Liebe zum eigenen Tun tragen einen reichhaltigen Tatendrang in sich und positive Energie ohnehin.

Klima – die unsichtbare Bewegung

Übertragen wir die Leidenschaft und Liebe des Tuns wiederum auf unser Dasein und auf das, was uns umgibt, werden wir feststellen, dass wir eigentlich von allem zu viel haben und dass wir in der Regel zu viel tun, aber zu wenig davon, was eigentlich wichtig wäre. Während die Wort- aber auch Straßengefechte rund um die Covid-Pandemie zunehmen, verschwindet das andere große und wichtige Thema des Klimas in den Hintergrund. Es ist eine unsichtbare und nicht wirklich vorhersehbare klimatische Entwicklung und Kraft, deren Folgen wir als Menschen selbst mit einem immensen Tatendrang und mit sehr viel Anstrengung »vielleicht« noch abschwächen, aber nicht wirklich einschätzen können. Erhält der Mensch durch sein egoistisches und fahrlässiges Verhalten gegenüber der Natur, deren Grenzen er als »Mitglied« oder »Teil der Natur« eigentlich nicht mehr achtet, nun die Quittung für seine scheinbar grenzenlose Rücksichtslosigkeit zurück? 

Kunstcollage, hand auf einem pinkenen Kreis der symbolisch für den Planeten Erde stehen soll

Entschlackung des Systems

Als kleine einzelne Geschöpfe dieser Erde, können wir Tag für Tag einen Beitrag leisten, der diesem ökologischen System nicht schadet, sondern dafür sorgt, dass es weniger belastet wird, um nach und nach in einen Zustand zu gelangen, der einer Entschlackung gleich kommt. Die Frage ist, wo man mit dieser Entschlackung beginnt? Vielleicht damit, dass laufende und wartende Autos gesetzlich geregelt einfach ausgeschaltet werden müssen? Oder damit, unser eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen? Oder einfach damit, Bäume zu pflanzen, um für einen Ausgleich zu sorgen? Ich denke, es ist alles zusammen und es sollte bei jedem Einzelnen ganz tief drinnen beginnen. Welche Zeit passt besser als jetzt zum Jahresende, sich einmal in Ruhe dahingehend zu besinnen. Ein empfehlenswerter Film für diese Tage ist »Das Geheimnis der Bäume«.

In vielen Großstädten ist ein freies Atmen von frischer Luft schon nicht mehr wirklich möglich. In diesen Metropolen trugen die Menschen bereits schon vor der Covid-Pandemie Atemschutzmasken. Man muss sich das einmal gedanklich und in Ruhe vor Augen führen und verinnerlichen, was für ein Schwachsinn und Idiotismus hier auf diesem Planeten eigentlich stattfindet. Die Gier scheint keine Grenzen mehr zu kennen, ganz egal in welcher Hinsicht. Die Gier gepaart mit Existenzängsten manövriert die Menschen in eine Art Sog, dessen Geschwindigkeit und Kraft spürbar zunimmt. Wir rasen aktuell mit einem verblendeten Tunnelblick durch einen Tunnel und erkennen scheinbar kein rechts und kein links mehr. In dieser rasenden Geschwindigkeit blitzen zwischendurch zwar ein paar Nettigkeiten oder freudige Highlights auf, doch diese sind schon lange zum Alltag der Gewohnheiten geworden, weshalb die kleinen Freuden oft nichts mehr Besonderes zu sein scheinen. Man tätigt Frustkäufe, sofern man es kann, vergisst aber die kleinen und winzigen Besonderheiten um einen herum, weil man ihnen keine Beachtung mehr schenkt, mit der Ausrede man habe keine Zeit. Stattdessen werden wir geimpft durch permanente Headlines und Bilderfluten der Medien, die zu 90% auch noch negativ geladen sind. Wo soll das alles hin führen? Scheinbar sollten wir nicht nur zur Entschlackung des Planeten beitragen, sondern auch zu unserer eigenen.

Kunstcollage, Hand,aus der Sonnenblumen wachsen

Das eigene Ding

Während wir uns Menschen in diesem eigenen Strudel mehr und mehr hinein drehen, macht die Natur weiterhin ihr eigenes Ding. Sie wächst, sie blüht, sie zeigt uns eigentlich immer wieder die wirklich schönen Seiten dieser Erde, es sei denn sie verschafft sich Luft. Sie öffnet sich für uns und schenkt uns Tag für Tag ihr vollstes Vertrauen. Sie offenbart uns ihre Geheimnisse und zeigt uns damit eigentlich, dass wir alles, was wir brauchen wahrscheinlich bereits direkt vor der Nase liegen haben. Der Ruf des Planeten Erde lautet: „Macht was daraus!“ Doch während wir eben nichts daraus machen und weiterhin und permanent unser Ego pflegen und »Druck auf den Kessel« ausüben, muss dieses ökologische System irgendwann einmal auch selbst Dampf ablassen, um sich Luft zum Atmen zu verschaffen – es reguliert sich von selbst. Es schüttelt sich frei von Ballast oder Altlasten, es schützt sich und entwickelt neue Mechanismen, die dafür sorgen, dass uns dieser Kessel nicht eines Tages komplett um die Ohren fliegt. Es schützt aber auch jene, die bereits gelernt haben mit diesem ökologischen System umzugehen und untereinander friedlich darin zu leben – die Tiere, die Pflanzen, wichtige Bakterien. Und was tun wir? Wir schützen uns als Bestandteil und Mitwirkende in diesem System genau vor jenen Mechanismen der Natur, die wir darin selbst mitverursachen. Wir schützen uns mit künstlich hergestellten Injektionen anstatt uns natürlich anzupassen, und wir schützen uns vor dem, was wir in diesem System selbst mitgestalten und damit auch mitverantworten. Welche Rolle nehmen wir als Teil dieses ökologischen Systems eigentlich ein? Unsere Aufgabe besteht sicherlich nicht darin, es wie die Wilden nach und nach auszubeuten, um die Auswirkungen unserer Ausbeutung am Ende selbst wieder reparieren zu müssen. Eigentlich ein absoluter Irrsinn. Doch vielleicht gehört dieser Irrsinn auch dazu und stellt eine Art Lernprozess im Rahmen der Evolution dar, in der Hoffnung, dass wir auch etwas daraus lernen – und wenn es nur jene Erkenntnis ist, wie wir uns hier in diesem System »miteinander« besser arrangieren, nämlich so, wie es die Tier-, Pflanzen- und Bakterienwelt bereits schon lange tun. Tragen wir nichts zur Entlastung des Systems bei, wird es einfach von selbst geschehen.

Kunstcollage Erde ur mit Tieren

In eigener Sache

Seit diesem Jahr haben wir das Thema Musik in unserer Agentur aufgenommen und auch ein kleines frisches Musiklabel gestartet. Aus einem leidenschaftlichen Hobby soll etwas werden, dass einen medialen Beitrag auch für Kunden leisten kann. Musik ist ein Instrument der Emotionalisierung, aber auch ein Instrument, dass Gesellschaft zum Nachdenken bringen kann, dass Gesellschaft bewegt, dass Marken z.B. im Rahmen einer Videountermalung so oder so nach außen präsentieren kann, wenn sie einen Film begleitet und dabei passend unterstützt. So werden wir nicht nur die Produktion von Sounds für kurze Videotrailer anbieten, sondern auch die dazu passende Klanguntermalung. Geht es in größere Filmproduktionen mit Drehbuch und weiteren Akteueren, sind wir verbunden mit einem erfahrenen Netzwerk an Experten, die wir dabei sehr gerne mit an Board nehmen.

Auch sind wir am Planen eines vorerst kleineren Shops, in dem wir u.a. eigene Artikel anbieten möchten, aber auch sehr gerne Artikel von Kunden, Drittanbietern, Freunden, Bekannten sofern das auch Sinn macht. In jedem Fall soll dieser Shop, wie alles, mit einem gesellschaftlichen Hintergrund und Nutzen betrieben werden.

Kunstcollage einer Frau mit drei alten TV Apparaten

In diesem Sinne wünschen wir Euch allen ein gesundes Jahr 2022.

Liebe Grüße

Euer Marke Mensch Natur Team.

Links zum Thema

Holistic Foundation

Life Hamburg

Bernhard Paul, Zirkusdirektor Roncalli

Zirkus Roncalli Website

Das Geheimnis der Bäume – Film Doku

Herzliche Grüße

Toby O. Rink
Marke Mensch Natur GmbH, Karlsruhe
Gesellschaftsdesign

Ein Jahr auf dem Weg zur kollektiven Einsicht?Ein Jahr auf dem Weg zur kollektiven Einsicht?

Menschlichkeit & Vernunft

Bewegte Zeiten, bewegte Veränderungen, bewegtes Verhalten und Denken. 2021 hat gezeigt, wie wichtig mitmenschliches Verhalten und Toleranz ist und in Zukunft sein wird. Nie dagewesene Krisen schütteln durch und zehren an Kraft, Energie und Geduld der Menschen – bei jedem auf eine andere Art und Weise. Umso wichtiger ist es, mit negativen Kräften und Energien bedacht umzugehen, und das Positive im Gesamten zu bewahren, es zu sehen und vor allem auch zu fühlen. Im Sinne der Kommunikation und dem Design, kann und wird das alles am Ende eine positive Wende nehmen. Worte und Darstellungen, gerade in solchen Zeiten, sensibel und achtsam einzusetzen und zu verbreiten, ist nicht nur eine Aufgabe für uns Designer. Es ist auch eine Aufgabe für Marken und Unternehmen und jene, die für die Verbreitung von Informationen zuständig und verantwortlich sind. 

Im Ganzen eins – Man und Kleinkind reichen sich die Hand surrealistisch

Es braucht kein Schüren und kein Hetzen, es braucht Sachlichkeit und Wahrheit, es braucht Einfühlungsvermögen und Feingefühl – Wort für Wort, Gedanke für Gedanke und Tat für Tat. Es braucht faire Entscheidungen und eine verständliche Voraussicht – und dafür braucht es keine Generäle in der Politik, sondern einen klaren Geist unserer »Experten«, keinen Neid und vor allem deutlich weniger Gier. Die Medienlandschaft, in der sich auch der Journalismus integriert, hat heute und morgen mehr Verantwortung wie eh und je. Gerade in Krisenzeiten ist eine offene, sachliche, ehrliche und feinfühlige Berichterstattung von großer Wichtigkeit, denn geteilt werden Botschaften heute blitzschnell und oft auch ohne darüber nachzudenken. Einzelne unklare und wackelige Worte können dabei direkt wie auch unterbewusst beeinflussen, wie wir 2021 nicht nur einmal erleben durften und es immer noch erleben. Presse und Medienkanäle besitzen inzwischen eine nicht zu unterschätzende Macht, und deren Einfluss lässt sich schon fast mit der Reichweite einer politischen Entscheidung gleichsetzen. Die Tragweite falscher oder schlechter Kommunikation sollten wir uns heute und morgen deshalb noch bewusster machen, gerade im Rahmen unserer Entscheidungen, die wir aufgrund dieser Informationen weiter tragen oder selbst treffen. Denn diese Entscheidungen gestalten auch unser gemeinsames Miteinander, dem wir respektvoll und mit Herz begegnen sollten.

Was Marken anziehend macht

Friede, Freude, Markenmagie: Dieser Respekt und das Herz der Zwischenmenschlichkeit, wie oben erwähnt, lässt sich heute auch auf Marken und Unternehmen übertragen. Hätten wir als Agentur schon damals im Jahre 2002 die Gedanken einer „gesunden und achtsamen Marke“ nach aussen getragen, hätte man unsere Designagentur als zu spirituell eingestuft, oder als abgehobene Spinner und Künstler. Doch absehbar war auch schon damals, dass Marken und Unternehmen eines Tages umdenken werden müssen, wenn sie in der Flut an Botschaften zu ihren Kunden oder möglichen Neukunden durchdringen möchten. Schon alleine die Gründung der Holistic Foundation durch Benjamin und Janina Lin Otto, zeigt mit dem Bau des Objektes »Life Hamburg«, dass die Zeit für ein Umdenken in diese Richtung mehr als vor der Tür steht und auch notwendig ist.

Kunstcollage, sitzende Menschen statt Köpfen mit Pflanzen.

Blick zurück: Als ich einst einmal im Juli 2008 mit dem Zirkusdirektor Bernhard Paul vom Zirkus Roncalli ein Interview in seinem Zirkuswagen führte, viel eine wichtige Aussage, die so platt ist wie auch alt: »Wer nicht wirbt, der stirbt«. Heute ist dieses Zitat ja schon fast etwas angriffslustig, je nachdem in welchem Zusammenhang man es vermittelt. Diese Antwort von Bernhard Paul kam aus dem gemeinsamen Gespräch heraus, da ich eines Morgens auf dem Weg in die Agentur bemerkte, dass unsere halbe Stadt samt der ländlichen Einzugsgebiete von heute auf morgen plakatiert war. Man wusste sofort – der Zirkus Roncalli kommt. Damit hat dieser alte Spruch seinen Zweck erfüllt. Doch das Problem dieser alten Werbesprüche, Bernhard Paul war selbst einmal Art Director, ist, dass einige Marken und Unternehmen diese Aussage in der Vergangenheit falsch verstanden haben, aber auch heute noch falsch verstehen. Viele Unternehmen haben scheinbar nicht sonderlich großartig darüber nachgedacht, was sie inhaltlich eigentlich vermitteln möchten, sondern haben draussen in der Öffentlichkeit einfach darauf los geballert was das Zeug hält. Eine schlechte Werbeflut wird sich auf Dauer nicht gegen eine kleine aber charmante Botschaft durchsetzen, hinter der sich eine grundlegende Strategie und Überlegung verbirgt, weil sie aus Überzeugung und Leidenschaft am Tun entstanden ist.

Toby O. Rink im Interview mit Bernhard Paul
Toby O. Rink im Gespräch mit Zirkusdirektor Bernhard Paul (Zirkus Roncalli)

Blicke ich zurück auf den Zirkus Roncalli, dann habe ich mir damals eines bewusst verinnerlicht. Eine anziehende Marke lebt nicht durch ein extrem großes Marketingbudget, sie lebt durch die Liebe am Tun. Als ich das Interview mit Bernhard Paul führte, saßen wir in seinem stilvollen Zirkuswagen. Ich hatte damals meine kleine Familie dabei, samt Hund und Kleinkind, da wir danach noch verabredet waren. Wir wurden herzlichst empfangen, Kind und Hund waren überhaupt kein Problem, da Bernhard Paul selbst Kinder hat, und der Zirkus ohnehin eine große Familie für ihn ist. Das Gespräch war herzlich und natürlich, und endete am Ende mit einer Einladung zum gemeinsamen Abendessen. Und damit wir einen Eindruck seiner Welt bekamen, gab er uns Tickets, weil es ihm wichtig war, dass wir den Zirkus Roncalli mit all seinen Facetten drum herum erleben sollten. Am Tag X der Veranstaltung wurde mir klar, was er damit meinte. Schon das Zelt war eine stilvolle Fassade, die zum Eintreten einlud. Es roch nach gebrannten Mandeln, ummantelt von traditioneller und freudiger Zirkusmusik. Den kleinen Kindern kullerten förmlich die Augen heraus und die Stimmung war begleitet von freundlichen und fröhlichen Gesichtern, die sich auf eine faszinierende Welt einließen, die den darum liegenden Alltag einfach ausblendete. Alles, aber auch wirklich alles strahlte Freude, Leidenschaft und Liebe aus. Nicht nur das Äußere, sondern auch das Innere. Alle Akteure, die Zirkusclowns, die Trapezkünstler oder die Zauberer erfüllten ihre Aktivität (ich nenne es bewusst nicht Beruf) mit einer beispiellosen Leidenschaft. Und genau diese »Gesamtheit« all dieser leidenschaftlichen Akteure machten die Marke Roncalli zu einem Ganzen. Wenn »Kunden«, in diesem Fall die Zuschauer, eine solche Art von Natürlichkeit und positiver Energie »erleben dürfen«, dann bleibt eine positive und innere Berührung, die sie auch lange in Erinnerung behalten.

Ein anderes Beispiel: Als Paypal eines Tages feststellte, dass sie im Rahmen ihrer Bedienoberfläche etwas tun mussten, um ihre bestehenden Nutzer zu behalten und neue zu gewinnen, überarbeiteten sie grundlegend die Art des Bankings, und machten sich aktiv heran an die Überarbeitung ihres Banking-Systems und dem damit verbundenen Look & Feel der Bedienoberfläche. Nachdem dieses System optisch wie auch funktional überarbeitet wurde, vermittelten sie am Tag X des Livegangs die Botschaft »Jetzt seid ihr dran«, und präsentierten ihren Kunden und möglichen Neukunden ein gänzlich vereinfachtes Interface und System, dass die Art der Transaktion im Zahlungsverkehr ein Stück weit revolutionierte und vor allem vereinfachte. Paypal ist heute gerade im Online-Shopping maßgeblich in Shops als Bezahlmöglichkeit zu finden und steht u.a. für ein einfaches und unkompliziertes Einkaufserlebnis.

In der Welt der Werbung werden uns heute viele Geschichten erzählt und gezeigt. Doch was bringt die beste Kampagne, wenn sie nicht wirklich, wirklich ehrlich gemeint ist. Was bringen die schönsten Worte, wenn es Werbeworte sind, aber nicht die eigenen die man gerne sagen würde, weil einem vielleicht etwas der Mut fehlt in der eigenen Branche auf unübliche Art und Weise anzuecken. Authentisch das zu leben und zu tun, außen wie innen, ist die große Kunst und auch ein Weg, der Mut und die ein oder andere Überwindung benötigt. Doch seien wir ehrlich zu uns selbst – haben wir unsere Lebensaufgabe und absolute Leidenschaft erst einmal entdeckt, dann spielen solche Gedanken der „zurückhaltenden Kommunikation“ keine Rolle mehr. Denn dann kommen Botschaften in der Tat auch von Herzen. Wirklich zu lieben was man tut, geht einher mit allen positiven Werten. Diese schreibt man im Marketing zwar gerne auf ein weisses Blatt Papier, doch wie oft oder regelmäßig prüft man diese Werte dahingehend, ob sie mit dem eigenen Werte-Gefühl noch übereinstimmen? Leidenschaft und Liebe zum eigenen Tun tragen einen reichhaltigen Tatendrang in sich und positive Energie ohnehin.

Klima – die unsichtbare Bewegung

Übertragen wir die Leidenschaft und Liebe des Tuns wiederum auf unser Dasein und auf das, was uns umgibt, werden wir feststellen, dass wir eigentlich von allem zu viel haben und dass wir in der Regel zu viel tun, aber zu wenig davon, was eigentlich wichtig wäre. Während die Wort- aber auch Straßengefechte rund um die Covid-Pandemie zunehmen, verschwindet das andere große und wichtige Thema des Klimas in den Hintergrund. Es ist eine unsichtbare und nicht wirklich vorhersehbare klimatische Entwicklung und Kraft, deren Folgen wir als Menschen selbst mit einem immensen Tatendrang und mit sehr viel Anstrengung »vielleicht« noch abschwächen, aber nicht wirklich einschätzen können. Erhält der Mensch durch sein egoistisches und fahrlässiges Verhalten gegenüber der Natur, deren Grenzen er als »Mitglied« oder »Teil der Natur« eigentlich nicht mehr achtet, nun die Quittung für seine scheinbar grenzenlose Rücksichtslosigkeit zurück? 

Kunstcollage, hand auf einem pinkenen Kreis der symbolisch für den Planeten Erde stehen soll

Entschlackung des Systems

Als kleine einzelne Geschöpfe dieser Erde, können wir Tag für Tag einen Beitrag leisten, der diesem ökologischen System nicht schadet, sondern dafür sorgt, dass es weniger belastet wird, um nach und nach in einen Zustand zu gelangen, der einer Entschlackung gleich kommt. Die Frage ist, wo man mit dieser Entschlackung beginnt? Vielleicht damit, dass laufende und wartende Autos gesetzlich geregelt einfach ausgeschaltet werden müssen? Oder damit, unser eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen? Oder einfach damit, Bäume zu pflanzen, um für einen Ausgleich zu sorgen? Ich denke, es ist alles zusammen und es sollte bei jedem Einzelnen ganz tief drinnen beginnen. Welche Zeit passt besser als jetzt zum Jahresende, sich einmal in Ruhe dahingehend zu besinnen. Ein empfehlenswerter Film für diese Tage ist »Das Geheimnis der Bäume«.

In vielen Großstädten ist ein freies Atmen von frischer Luft schon nicht mehr wirklich möglich. In diesen Metropolen trugen die Menschen bereits schon vor der Covid-Pandemie Atemschutzmasken. Man muss sich das einmal gedanklich und in Ruhe vor Augen führen und verinnerlichen, was für ein Schwachsinn und Idiotismus hier auf diesem Planeten eigentlich stattfindet. Die Gier scheint keine Grenzen mehr zu kennen, ganz egal in welcher Hinsicht. Die Gier gepaart mit Existenzängsten manövriert die Menschen in eine Art Sog, dessen Geschwindigkeit und Kraft spürbar zunimmt. Wir rasen aktuell mit einem verblendeten Tunnelblick durch einen Tunnel und erkennen scheinbar kein rechts und kein links mehr. In dieser rasenden Geschwindigkeit blitzen zwischendurch zwar ein paar Nettigkeiten oder freudige Highlights auf, doch diese sind schon lange zum Alltag der Gewohnheiten geworden, weshalb die kleinen Freuden oft nichts mehr Besonderes zu sein scheinen. Man tätigt Frustkäufe, sofern man es kann, vergisst aber die kleinen und winzigen Besonderheiten um einen herum, weil man ihnen keine Beachtung mehr schenkt, mit der Ausrede man habe keine Zeit. Stattdessen werden wir geimpft durch permanente Headlines und Bilderfluten der Medien, die zu 90% auch noch negativ geladen sind. Wo soll das alles hin führen? Scheinbar sollten wir nicht nur zur Entschlackung des Planeten beitragen, sondern auch zu unserer eigenen.

Kunstcollage, Hand,aus der Sonnenblumen wachsen

Das eigene Ding

Während wir uns Menschen in diesem eigenen Strudel mehr und mehr hinein drehen, macht die Natur weiterhin ihr eigenes Ding. Sie wächst, sie blüht, sie zeigt uns eigentlich immer wieder die wirklich schönen Seiten dieser Erde, es sei denn sie verschafft sich Luft. Sie öffnet sich für uns und schenkt uns Tag für Tag ihr vollstes Vertrauen. Sie offenbart uns ihre Geheimnisse und zeigt uns damit eigentlich, dass wir alles, was wir brauchen wahrscheinlich bereits direkt vor der Nase liegen haben. Der Ruf des Planeten Erde lautet: „Macht was daraus!“ Doch während wir eben nichts daraus machen und weiterhin und permanent unser Ego pflegen und »Druck auf den Kessel« ausüben, muss dieses ökologische System irgendwann einmal auch selbst Dampf ablassen, um sich Luft zum Atmen zu verschaffen – es reguliert sich von selbst. Es schüttelt sich frei von Ballast oder Altlasten, es schützt sich und entwickelt neue Mechanismen, die dafür sorgen, dass uns dieser Kessel nicht eines Tages komplett um die Ohren fliegt. Es schützt aber auch jene, die bereits gelernt haben mit diesem ökologischen System umzugehen und untereinander friedlich darin zu leben – die Tiere, die Pflanzen, wichtige Bakterien. Und was tun wir? Wir schützen uns als Bestandteil und Mitwirkende in diesem System genau vor jenen Mechanismen der Natur, die wir darin selbst mitverursachen. Wir schützen uns mit künstlich hergestellten Injektionen anstatt uns natürlich anzupassen, und wir schützen uns vor dem, was wir in diesem System selbst mitgestalten und damit auch mitverantworten. Welche Rolle nehmen wir als Teil dieses ökologischen Systems eigentlich ein? Unsere Aufgabe besteht sicherlich nicht darin, es wie die Wilden nach und nach auszubeuten, um die Auswirkungen unserer Ausbeutung am Ende selbst wieder reparieren zu müssen. Eigentlich ein absoluter Irrsinn. Doch vielleicht gehört dieser Irrsinn auch dazu und stellt eine Art Lernprozess im Rahmen der Evolution dar, in der Hoffnung, dass wir auch etwas daraus lernen – und wenn es nur jene Erkenntnis ist, wie wir uns hier in diesem System »miteinander« besser arrangieren, nämlich so, wie es die Tier-, Pflanzen- und Bakterienwelt bereits schon lange tun. Tragen wir nichts zur Entlastung des Systems bei, wird es einfach von selbst geschehen.

Kunstcollage Erde ur mit Tieren

In eigener Sache

Seit diesem Jahr haben wir das Thema Musik in unserer Agentur aufgenommen und auch ein kleines frisches Musiklabel gestartet. Aus einem leidenschaftlichen Hobby soll etwas werden, dass einen medialen Beitrag auch für Kunden leisten kann. Musik ist ein Instrument der Emotionalisierung, aber auch ein Instrument, dass Gesellschaft zum Nachdenken bringen kann, dass Gesellschaft bewegt, dass Marken z.B. im Rahmen einer Videountermalung so oder so nach außen präsentieren kann, wenn sie einen Film begleitet und dabei passend unterstützt. So werden wir nicht nur die Produktion von Sounds für kurze Videotrailer anbieten, sondern auch die dazu passende Klanguntermalung. Geht es in größere Filmproduktionen mit Drehbuch und weiteren Akteueren, sind wir verbunden mit einem erfahrenen Netzwerk an Experten, die wir dabei sehr gerne mit an Board nehmen.

Auch sind wir am Planen eines vorerst kleineren Shops, in dem wir u.a. eigene Artikel anbieten möchten, aber auch sehr gerne Artikel von Kunden, Drittanbietern, Freunden, Bekannten sofern das auch Sinn macht. In jedem Fall soll dieser Shop, wie alles, mit einem gesellschaftlichen Hintergrund und Nutzen betrieben werden.

Kunstcollage einer Frau mit drei alten TV Apparaten

In diesem Sinne wünschen wir Euch allen ein gesundes Jahr 2022.

Liebe Grüße

Euer Marke Mensch Natur Team.

Links zum Thema

Holistic Foundation

Life Hamburg

Bernhard Paul, Zirkusdirektor Roncalli

Zirkus Roncalli Website

Das Geheimnis der Bäume – Film Doku

Herzliche Grüße

Toby O. Rink
Marke Mensch Natur GmbH, Karlsruhe
Gesellschaftsdesign

Ein Jahr auf dem Weg zur kollektiven Einsicht?Ein Jahr auf dem Weg zur kollektiven Einsicht?

Menschlichkeit & Vernunft

Bewegte Zeiten, bewegte Veränderungen, bewegtes Verhalten und Denken. 2021 hat gezeigt, wie wichtig mitmenschliches Verhalten und Toleranz ist und in Zukunft sein wird. Nie dagewesene Krisen schütteln durch und zehren an Kraft, Energie und Geduld der Menschen – bei jedem auf eine andere Art und Weise. Umso wichtiger ist es, mit negativen Kräften und Energien bedacht umzugehen, und das Positive im Gesamten zu bewahren, es zu sehen und vor allem auch zu fühlen. Im Sinne der Kommunikation und dem Design, kann und wird das alles am Ende eine positive Wende nehmen. Worte und Darstellungen, gerade in solchen Zeiten, sensibel und achtsam einzusetzen und zu verbreiten, ist nicht nur eine Aufgabe für uns Designer. Es ist auch eine Aufgabe für Marken und Unternehmen und jene, die für die Verbreitung von Informationen zuständig und verantwortlich sind. 

Im Ganzen eins – Man und Kleinkind reichen sich die Hand surrealistisch

Es braucht kein Schüren und kein Hetzen, es braucht Sachlichkeit und Wahrheit, es braucht Einfühlungsvermögen und Feingefühl – Wort für Wort, Gedanke für Gedanke und Tat für Tat. Es braucht faire Entscheidungen und eine verständliche Voraussicht – und dafür braucht es keine Generäle in der Politik, sondern einen klaren Geist unserer »Experten«, keinen Neid und vor allem deutlich weniger Gier. Die Medienlandschaft, in der sich auch der Journalismus integriert, hat heute und morgen mehr Verantwortung wie eh und je. Gerade in Krisenzeiten ist eine offene, sachliche, ehrliche und feinfühlige Berichterstattung von großer Wichtigkeit, denn geteilt werden Botschaften heute blitzschnell und oft auch ohne darüber nachzudenken. Einzelne unklare und wackelige Worte können dabei direkt wie auch unterbewusst beeinflussen, wie wir 2021 nicht nur einmal erleben durften und es immer noch erleben. Presse und Medienkanäle besitzen inzwischen eine nicht zu unterschätzende Macht, und deren Einfluss lässt sich schon fast mit der Reichweite einer politischen Entscheidung gleichsetzen. Die Tragweite falscher oder schlechter Kommunikation sollten wir uns heute und morgen deshalb noch bewusster machen, gerade im Rahmen unserer Entscheidungen, die wir aufgrund dieser Informationen weiter tragen oder selbst treffen. Denn diese Entscheidungen gestalten auch unser gemeinsames Miteinander, dem wir respektvoll und mit Herz begegnen sollten.

Was Marken anziehend macht

Friede, Freude, Markenmagie: Dieser Respekt und das Herz der Zwischenmenschlichkeit, wie oben erwähnt, lässt sich heute auch auf Marken und Unternehmen übertragen. Hätten wir als Agentur schon damals im Jahre 2002 die Gedanken einer „gesunden und achtsamen Marke“ nach aussen getragen, hätte man unsere Designagentur als zu spirituell eingestuft, oder als abgehobene Spinner und Künstler. Doch absehbar war auch schon damals, dass Marken und Unternehmen eines Tages umdenken werden müssen, wenn sie in der Flut an Botschaften zu ihren Kunden oder möglichen Neukunden durchdringen möchten. Schon alleine die Gründung der Holistic Foundation durch Benjamin und Janina Lin Otto, zeigt mit dem Bau des Objektes »Life Hamburg«, dass die Zeit für ein Umdenken in diese Richtung mehr als vor der Tür steht und auch notwendig ist.

Kunstcollage, sitzende Menschen statt Köpfen mit Pflanzen.

Blick zurück: Als ich einst einmal im Juli 2008 mit dem Zirkusdirektor Bernhard Paul vom Zirkus Roncalli ein Interview in seinem Zirkuswagen führte, viel eine wichtige Aussage, die so platt ist wie auch alt: »Wer nicht wirbt, der stirbt«. Heute ist dieses Zitat ja schon fast etwas angriffslustig, je nachdem in welchem Zusammenhang man es vermittelt. Diese Antwort von Bernhard Paul kam aus dem gemeinsamen Gespräch heraus, da ich eines Morgens auf dem Weg in die Agentur bemerkte, dass unsere halbe Stadt samt der ländlichen Einzugsgebiete von heute auf morgen plakatiert war. Man wusste sofort – der Zirkus Roncalli kommt. Damit hat dieser alte Spruch seinen Zweck erfüllt. Doch das Problem dieser alten Werbesprüche, Bernhard Paul war selbst einmal Art Director, ist, dass einige Marken und Unternehmen diese Aussage in der Vergangenheit falsch verstanden haben, aber auch heute noch falsch verstehen. Viele Unternehmen haben scheinbar nicht sonderlich großartig darüber nachgedacht, was sie inhaltlich eigentlich vermitteln möchten, sondern haben draussen in der Öffentlichkeit einfach darauf los geballert was das Zeug hält. Eine schlechte Werbeflut wird sich auf Dauer nicht gegen eine kleine aber charmante Botschaft durchsetzen, hinter der sich eine grundlegende Strategie und Überlegung verbirgt, weil sie aus Überzeugung und Leidenschaft am Tun entstanden ist.

Toby O. Rink im Interview mit Bernhard Paul
Toby O. Rink im Gespräch mit Zirkusdirektor Bernhard Paul (Zirkus Roncalli)

Blicke ich zurück auf den Zirkus Roncalli, dann habe ich mir damals eines bewusst verinnerlicht. Eine anziehende Marke lebt nicht durch ein extrem großes Marketingbudget, sie lebt durch die Liebe am Tun. Als ich das Interview mit Bernhard Paul führte, saßen wir in seinem stilvollen Zirkuswagen. Ich hatte damals meine kleine Familie dabei, samt Hund und Kleinkind, da wir danach noch verabredet waren. Wir wurden herzlichst empfangen, Kind und Hund waren überhaupt kein Problem, da Bernhard Paul selbst Kinder hat, und der Zirkus ohnehin eine große Familie für ihn ist. Das Gespräch war herzlich und natürlich, und endete am Ende mit einer Einladung zum gemeinsamen Abendessen. Und damit wir einen Eindruck seiner Welt bekamen, gab er uns Tickets, weil es ihm wichtig war, dass wir den Zirkus Roncalli mit all seinen Facetten drum herum erleben sollten. Am Tag X der Veranstaltung wurde mir klar, was er damit meinte. Schon das Zelt war eine stilvolle Fassade, die zum Eintreten einlud. Es roch nach gebrannten Mandeln, ummantelt von traditioneller und freudiger Zirkusmusik. Den kleinen Kindern kullerten förmlich die Augen heraus und die Stimmung war begleitet von freundlichen und fröhlichen Gesichtern, die sich auf eine faszinierende Welt einließen, die den darum liegenden Alltag einfach ausblendete. Alles, aber auch wirklich alles strahlte Freude, Leidenschaft und Liebe aus. Nicht nur das Äußere, sondern auch das Innere. Alle Akteure, die Zirkusclowns, die Trapezkünstler oder die Zauberer erfüllten ihre Aktivität (ich nenne es bewusst nicht Beruf) mit einer beispiellosen Leidenschaft. Und genau diese »Gesamtheit« all dieser leidenschaftlichen Akteure machten die Marke Roncalli zu einem Ganzen. Wenn »Kunden«, in diesem Fall die Zuschauer, eine solche Art von Natürlichkeit und positiver Energie »erleben dürfen«, dann bleibt eine positive und innere Berührung, die sie auch lange in Erinnerung behalten.

Ein anderes Beispiel: Als Paypal eines Tages feststellte, dass sie im Rahmen ihrer Bedienoberfläche etwas tun mussten, um ihre bestehenden Nutzer zu behalten und neue zu gewinnen, überarbeiteten sie grundlegend die Art des Bankings, und machten sich aktiv heran an die Überarbeitung ihres Banking-Systems und dem damit verbundenen Look & Feel der Bedienoberfläche. Nachdem dieses System optisch wie auch funktional überarbeitet wurde, vermittelten sie am Tag X des Livegangs die Botschaft »Jetzt seid ihr dran«, und präsentierten ihren Kunden und möglichen Neukunden ein gänzlich vereinfachtes Interface und System, dass die Art der Transaktion im Zahlungsverkehr ein Stück weit revolutionierte und vor allem vereinfachte. Paypal ist heute gerade im Online-Shopping maßgeblich in Shops als Bezahlmöglichkeit zu finden und steht u.a. für ein einfaches und unkompliziertes Einkaufserlebnis.

In der Welt der Werbung werden uns heute viele Geschichten erzählt und gezeigt. Doch was bringt die beste Kampagne, wenn sie nicht wirklich, wirklich ehrlich gemeint ist. Was bringen die schönsten Worte, wenn es Werbeworte sind, aber nicht die eigenen die man gerne sagen würde, weil einem vielleicht etwas der Mut fehlt in der eigenen Branche auf unübliche Art und Weise anzuecken. Authentisch das zu leben und zu tun, außen wie innen, ist die große Kunst und auch ein Weg, der Mut und die ein oder andere Überwindung benötigt. Doch seien wir ehrlich zu uns selbst – haben wir unsere Lebensaufgabe und absolute Leidenschaft erst einmal entdeckt, dann spielen solche Gedanken der „zurückhaltenden Kommunikation“ keine Rolle mehr. Denn dann kommen Botschaften in der Tat auch von Herzen. Wirklich zu lieben was man tut, geht einher mit allen positiven Werten. Diese schreibt man im Marketing zwar gerne auf ein weisses Blatt Papier, doch wie oft oder regelmäßig prüft man diese Werte dahingehend, ob sie mit dem eigenen Werte-Gefühl noch übereinstimmen? Leidenschaft und Liebe zum eigenen Tun tragen einen reichhaltigen Tatendrang in sich und positive Energie ohnehin.

Klima – die unsichtbare Bewegung

Übertragen wir die Leidenschaft und Liebe des Tuns wiederum auf unser Dasein und auf das, was uns umgibt, werden wir feststellen, dass wir eigentlich von allem zu viel haben und dass wir in der Regel zu viel tun, aber zu wenig davon, was eigentlich wichtig wäre. Während die Wort- aber auch Straßengefechte rund um die Covid-Pandemie zunehmen, verschwindet das andere große und wichtige Thema des Klimas in den Hintergrund. Es ist eine unsichtbare und nicht wirklich vorhersehbare klimatische Entwicklung und Kraft, deren Folgen wir als Menschen selbst mit einem immensen Tatendrang und mit sehr viel Anstrengung »vielleicht« noch abschwächen, aber nicht wirklich einschätzen können. Erhält der Mensch durch sein egoistisches und fahrlässiges Verhalten gegenüber der Natur, deren Grenzen er als »Mitglied« oder »Teil der Natur« eigentlich nicht mehr achtet, nun die Quittung für seine scheinbar grenzenlose Rücksichtslosigkeit zurück? 

Kunstcollage, hand auf einem pinkenen Kreis der symbolisch für den Planeten Erde stehen soll

Entschlackung des Systems

Als kleine einzelne Geschöpfe dieser Erde, können wir Tag für Tag einen Beitrag leisten, der diesem ökologischen System nicht schadet, sondern dafür sorgt, dass es weniger belastet wird, um nach und nach in einen Zustand zu gelangen, der einer Entschlackung gleich kommt. Die Frage ist, wo man mit dieser Entschlackung beginnt? Vielleicht damit, dass laufende und wartende Autos gesetzlich geregelt einfach ausgeschaltet werden müssen? Oder damit, unser eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen? Oder einfach damit, Bäume zu pflanzen, um für einen Ausgleich zu sorgen? Ich denke, es ist alles zusammen und es sollte bei jedem Einzelnen ganz tief drinnen beginnen. Welche Zeit passt besser als jetzt zum Jahresende, sich einmal in Ruhe dahingehend zu besinnen. Ein empfehlenswerter Film für diese Tage ist »Das Geheimnis der Bäume«.

In vielen Großstädten ist ein freies Atmen von frischer Luft schon nicht mehr wirklich möglich. In diesen Metropolen trugen die Menschen bereits schon vor der Covid-Pandemie Atemschutzmasken. Man muss sich das einmal gedanklich und in Ruhe vor Augen führen und verinnerlichen, was für ein Schwachsinn und Idiotismus hier auf diesem Planeten eigentlich stattfindet. Die Gier scheint keine Grenzen mehr zu kennen, ganz egal in welcher Hinsicht. Die Gier gepaart mit Existenzängsten manövriert die Menschen in eine Art Sog, dessen Geschwindigkeit und Kraft spürbar zunimmt. Wir rasen aktuell mit einem verblendeten Tunnelblick durch einen Tunnel und erkennen scheinbar kein rechts und kein links mehr. In dieser rasenden Geschwindigkeit blitzen zwischendurch zwar ein paar Nettigkeiten oder freudige Highlights auf, doch diese sind schon lange zum Alltag der Gewohnheiten geworden, weshalb die kleinen Freuden oft nichts mehr Besonderes zu sein scheinen. Man tätigt Frustkäufe, sofern man es kann, vergisst aber die kleinen und winzigen Besonderheiten um einen herum, weil man ihnen keine Beachtung mehr schenkt, mit der Ausrede man habe keine Zeit. Stattdessen werden wir geimpft durch permanente Headlines und Bilderfluten der Medien, die zu 90% auch noch negativ geladen sind. Wo soll das alles hin führen? Scheinbar sollten wir nicht nur zur Entschlackung des Planeten beitragen, sondern auch zu unserer eigenen.

Kunstcollage, Hand,aus der Sonnenblumen wachsen

Das eigene Ding

Während wir uns Menschen in diesem eigenen Strudel mehr und mehr hinein drehen, macht die Natur weiterhin ihr eigenes Ding. Sie wächst, sie blüht, sie zeigt uns eigentlich immer wieder die wirklich schönen Seiten dieser Erde, es sei denn sie verschafft sich Luft. Sie öffnet sich für uns und schenkt uns Tag für Tag ihr vollstes Vertrauen. Sie offenbart uns ihre Geheimnisse und zeigt uns damit eigentlich, dass wir alles, was wir brauchen wahrscheinlich bereits direkt vor der Nase liegen haben. Der Ruf des Planeten Erde lautet: „Macht was daraus!“ Doch während wir eben nichts daraus machen und weiterhin und permanent unser Ego pflegen und »Druck auf den Kessel« ausüben, muss dieses ökologische System irgendwann einmal auch selbst Dampf ablassen, um sich Luft zum Atmen zu verschaffen – es reguliert sich von selbst. Es schüttelt sich frei von Ballast oder Altlasten, es schützt sich und entwickelt neue Mechanismen, die dafür sorgen, dass uns dieser Kessel nicht eines Tages komplett um die Ohren fliegt. Es schützt aber auch jene, die bereits gelernt haben mit diesem ökologischen System umzugehen und untereinander friedlich darin zu leben – die Tiere, die Pflanzen, wichtige Bakterien. Und was tun wir? Wir schützen uns als Bestandteil und Mitwirkende in diesem System genau vor jenen Mechanismen der Natur, die wir darin selbst mitverursachen. Wir schützen uns mit künstlich hergestellten Injektionen anstatt uns natürlich anzupassen, und wir schützen uns vor dem, was wir in diesem System selbst mitgestalten und damit auch mitverantworten. Welche Rolle nehmen wir als Teil dieses ökologischen Systems eigentlich ein? Unsere Aufgabe besteht sicherlich nicht darin, es wie die Wilden nach und nach auszubeuten, um die Auswirkungen unserer Ausbeutung am Ende selbst wieder reparieren zu müssen. Eigentlich ein absoluter Irrsinn. Doch vielleicht gehört dieser Irrsinn auch dazu und stellt eine Art Lernprozess im Rahmen der Evolution dar, in der Hoffnung, dass wir auch etwas daraus lernen – und wenn es nur jene Erkenntnis ist, wie wir uns hier in diesem System »miteinander« besser arrangieren, nämlich so, wie es die Tier-, Pflanzen- und Bakterienwelt bereits schon lange tun. Tragen wir nichts zur Entlastung des Systems bei, wird es einfach von selbst geschehen.

Kunstcollage Erde ur mit Tieren

In eigener Sache

Seit diesem Jahr haben wir das Thema Musik in unserer Agentur aufgenommen und auch ein kleines frisches Musiklabel gestartet. Aus einem leidenschaftlichen Hobby soll etwas werden, dass einen medialen Beitrag auch für Kunden leisten kann. Musik ist ein Instrument der Emotionalisierung, aber auch ein Instrument, dass Gesellschaft zum Nachdenken bringen kann, dass Gesellschaft bewegt, dass Marken z.B. im Rahmen einer Videountermalung so oder so nach außen präsentieren kann, wenn sie einen Film begleitet und dabei passend unterstützt. So werden wir nicht nur die Produktion von Sounds für kurze Videotrailer anbieten, sondern auch die dazu passende Klanguntermalung. Geht es in größere Filmproduktionen mit Drehbuch und weiteren Akteueren, sind wir verbunden mit einem erfahrenen Netzwerk an Experten, die wir dabei sehr gerne mit an Board nehmen.

Auch sind wir am Planen eines vorerst kleineren Shops, in dem wir u.a. eigene Artikel anbieten möchten, aber auch sehr gerne Artikel von Kunden, Drittanbietern, Freunden, Bekannten sofern das auch Sinn macht. In jedem Fall soll dieser Shop, wie alles, mit einem gesellschaftlichen Hintergrund und Nutzen betrieben werden.

Kunstcollage einer Frau mit drei alten TV Apparaten

In diesem Sinne wünschen wir Euch allen ein gesundes Jahr 2022.

Liebe Grüße

Euer Marke Mensch Natur Team.

Links zum Thema

Holistic Foundation

Life Hamburg

Bernhard Paul, Zirkusdirektor Roncalli

Zirkus Roncalli Website

Das Geheimnis der Bäume – Film Doku

Herzliche Grüße

Toby O. Rink
Marke Mensch Natur GmbH, Karlsruhe
Gesellschaftsdesign

Bild – Das raumvonwert-Team